Mircosoft Productivity Score Datenschutz

Der „Productivity Score“ von Microsoft sorgt für Aufruhr bei Datenschützern.

Der Office Anbieter Microsoft ermöglicht Unternehmen nun einen „Productivity Score“ zu errechnen und somit die betriebliche Effizienz zu ermitteln und optimieren. Dieser Productivity Score, kurz PS, zeichnet unter anderem detailliert auf, wer in einem Unternehmen wie arbeitet. Microsoft betont zwar, dass der Productivity Score nicht zur Überwachung von Mitarbeitern diene. Kritiker sehen das aber ganz anders und verweisen auf die Handreichung zum Produkt, die von „Überwachen der Benutzerproduktivität mit Produktivitätsbewertung“ spricht. Besonders Datenschützer zweifeln an der Datenschutzkonformität des Produkts und teilen die Befürchtung, dass PS tief in die Privatsphäre von Angestellten eingreifen würde. Datenschutzaktivistin Wolfie Christl sagt,

„die Software von Microsoft schickt permanent Nutzungsdaten an den Konzern und ermöglicht damit potenziell eine lückenlose Überwachung vieler Arbeitstätigkeiten“.

Zudem vermutet er, dass die Daten ohnehin nicht viel aussagen würden, Unternehmen wahrscheinlich aber versuchen würden, willkürliche Zielwerte zu erreichen. Gleichzeitig bestehe laut Kritikern die Gefahr, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Angestellten dadurch negativ beeinflusst werde. David Heinemeier Hansson der Firma Basecamp, bezeichnet das neue Microsoft-Produkt sogar als dystopisch.

Microsoft wehrt sich gegen Vorwürfe

Microsoft verteidigt sein Produkt mit dem Einwand, dass das Produkt die Produktivität der gesamten Belegschaft misst. Einzelnen Personen werde kein Wert zugewiesen. So sollen Unternehmen in Zukunft das Maximum aus ihren technologischen Investitionen herausbekommen, und das völlig datenschutzkonform. Denn erstens ist diese Funktion völlig freiwillig und zweitens würden alle Daten nach 28 Tagen automatisch gelöscht.

Mircosoft Productivity Score

Wie funktioniert die Produktivitätsbewertung?

Die Produktivitätsbewertung reflektiert Messungen der Mitarbeiter- und Technologieerfahrung im Unternehmen und vergleicht diese mit den Benchmarks ähnlich großer Unternehmen. Dabei geht es um Metriken, die zeigen sollen, wo das Unternehmen sich auf dem Weg der digitalen Transformation befindet sowie Erkenntnisse zur Verbesserung der Produktivität und empfohlene Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz in der Nutzung der Microsoft Produkte. Die Daten werden täglich aktualisiert.

Es werden 8 verschiedene Kriterien untersucht und bewertet:

  • Kommunikation (100 Punkte)
  • Besprechungen (100 Punkte)
  • Zusammenarbeit an Inhalten (100 Punkte)
  • Teamarbeit (100 Punkte)
  • Mobilität (100 Punkte)
  • Endpunktanalyse (100 Punkte)
  • Netzwerkverbindungen (100 Punkte)
  • Microsoft 365 Apps-Integrität (100 Punkte)

Höchstmögliches Gesamtergebnis: 800 Punkte

Berücksichtigt werden die Daten zu Exchange, SharePoint, OneDrive, Microsoft Teams, Word, Excel, PowerPoint, OneNote, Outlook, Yammer und Skype.

Das Bewertungsergebnis wird in Form von Diagrammen dargestellt und in Prozentwerten angezeigt und Unternehmen mit einer ähnlichen Größe aus der Region in Relation gesetzt.

Fazit 

Der Productivity Score von Microsoft ist unserer Meinung nach datenschutzrechtlich mehr als kritisch zu betrachten. Denn anders als Microsoft betont, werden durchaus Daten einzelner Mitarbeiter erhoben. Eine Anonymisierung der Auswertung ist zwar möglich, muss aber aktiv von Administratoren vorgenommen werden. Angestellte werden auch nicht zwangsweise über die Erhebung dieser Daten benachrichtigt, widersprechen können sie dem Prozess also auch nicht. Der Aufruhr über den Einsatz dieses Produktes ist also keineswegs verwunderlich. Und abgesehen davon, dass es der Vertrauensbasis zwischen Angestellten und Vorgesetzten schaden kann, sollten Letztere sich fragen, ob diese Zahlen wirklichen Nutzen für das Unternehmen bringen.

Ihr Ansprechpartner: Jörg ter Beek

Privatsphäre aus Prinzip

Weitere Informationen zu Jörg ter Beek finden Sie auf seinem XING-Profil oder LinkedIn-Profil.

Titelbild Photo by Tadas Sar on Unsplash